Das Römische Geldwesen
Inhalt
Die Entstehung des römischen
Geldes
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Warum das
römische Geld entstand
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Wie das
römische Geld entstand
Der Denar –
Die moderne römische Währung
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Die Entwicklung
des Denars
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Die augustinische Münzordnung
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Weitere Münzarten
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Sonderformen des Denars
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Prägeorte des Denars
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Das Münzenbild
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Münzen für
Propaganda und Nachrichtenverbreitung
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Die Eigenschaften
des Denars
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Kaufkraft
Die wirtschaftspolitische
Entwicklung des Kaiserreiches und die Rolle des Denars
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Die Blütezeit
(des Denars)
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Das Ende der
Wohlfahrt
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Reformversuche
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Der Untergang von
Währung und Reich
Die Entstehung des römischen Geldes
Wie kein anderes Reich zuvor hat Rom ein Reich strukturiert und nach einem neuen System regiert, das stark von der Tradition der alten Reiche geprägt war, aber durch revolutionäre neue Ideen ergänzt wurde, die auf dem Geld und den Märkten, aber auch dem Recht, gründeten.
Warum das
römische Geld entstand
Die römische Währung entwickelte sich erst ca. im 4 Jahrhundert v.Ch. aus dem Tauschhandel. Das Vieh stand in dieser frühen Zeit für den Besitz und dementsprechend im symbolischen Sinne auch für das Geld bzw. Vermögen eines Menschen. Die lateinische Bezeichnung für Vieh war pecus. Als mit den ersten Münzen das Geld entstand, nannte man es kurzerhand Pecunia, abgeleitet von pecus. Die Römer waren nicht die Erfinder des Geldes, denn dieses wurde von verschiedenen Völkern voneinander unabhängig entwickelt und bereits die Sumerer kannten Münzen.
Die Entstehung von Münzen wurde unumgänglich, damit der aufkommende Handel vereinfacht werden konnte. Die Münzen vereinigten auf kleinem Raum einen hohen Wert, waren also leicht zu transportieren. Das Metall der Münzen hatte einen hohen Wert, weil es nur beschränkte Mengen davon gibt. Ausserdem war es eine Art Universaltauschgut, gegen welches man alles eintauschen konnte. Das war eine Basisinnovation für den Handel, sehen wir das am folgenden Beispiel genauer an:
Angenommen ein Römer möchte Rinder kaufen. Ein helvetischer Kelte hat gleichzeitig ein Verlangen nach Oliven. Wenn die beiden nun ein Geschäft abschliessen, klappt das wunderbar, solange der eine genaue das im Überfluss hat, was der andere benötigt. Ist dies aber nicht so, und das ist der Normalfall, tauscht der Römer 30 Denare gegen 3 Rinder vom Kelten. Der Kelte kann nun bei einem Griechen mit den 30 Denaren die Oliven einkaufen.
Wie das römische
Geld entstand
Die
erste Münze (genannt aes rude, zu deutsch „Rohkupfer“, siehe Abbildung
1) bestand aus einem mehr oder weniger unförmigen Stück Bronze. Bezeichnender
als „Münze“ wäre der Ausdruck „Bronzebarren“. Diese wurden dann durch kleinere,
rechteckige Bronzeplättchen ersetzt (genannt aes signatum, zu
deutsch „gezeichnetes Erz“), auf denen beidseitig bildliche
Darstellungen (Tiere, Waffen) graviert waren.
Die
dritte Entwicklungsstufe der Münzen war das Aes grave (Abbildung 2), zu deutsch
„Schwerkupfer“, das bereits münzförmig rund war und mit Punkten und Buchstaben
als Wertzeichen versehen war. Die Grundeinheit war das As (wog zu Beginn
1 römisches Pfund, also 273 Gramm). Dieser As wurde gemäss
des Duodezimalsystems in 12 Münzeinheiten unterteilt.
Das Gewicht des Asses wurde ab ca. 210 v. Ch. in mehreren Schritten und über
Jahrzehnte auf ein Gewicht von nur noch 13,6 Gramm reduziert. Die Gewichtsverringerungen
hatten zwei positive Auswirkungen: Erstens verkleinerten sich die Münzen und
wurden für den täglichen Umlauf praktikabler. Zweitens erlaubte sie eine verbesserte
Münzherstellung. Der Aes grave entwickelte sich
durch die Gewichtsverringerungen zur modernen römischen Währung. Die nachfolgende
Tabelle zeigt die verschiedenen Werte des Aes Grave.
Alle Münzen waren aus Kupfer. Der Grundwert war das As bzw. die Uncia. Unterscheidungsmerkmale für die verschiedenen
Werte waren einerseits das unterschiedliche Gewicht und andererseits spezielle
Zeichen.
Vergleich: Asse entsprechen „Franken“
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1 Tressis |
3 Asse |
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1 Dupondius |
2 Asse |
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1 As |
1 As |
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1 Semis |
0,5 As |
Vergleich: Unciae entsprechen „Rappen“
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1 Quincunx |
5 Unciae |
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1 Triens oder Quatrunx |
4 Unciae |
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1 Quadrans oder Teruncius |
3 Unciae |
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1 Sextans oder Biunx |
2 Unciae |
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1 Uncia |
1 Uncia |
|
1 Semuncia |
0,5 Uncia |
Der Denar – Die moderne römische Währung
Die Entstehung
des Denars
Um 200 v.Ch. tauchten erstmals Bronze- und Silbermünzen in den Werten Denar und Sesterz auf. Sie wurden aber in griechischen Prägestätten entwickelt und erst ab 269 v.Ch auch von Prägestätten Roms übernommen, nachdem Rom in den Pyrrhuskriegen die Oberhoheit über die griechisch kolonisierten Städte Süditaliens errungen hatte. Sie waren hier zur Zeit des 1. Punischen Kriegs (264-241 v.Chr.) im Umlauf und wohl auch von anderen mittelitalienischen Städten als Handelsmünzen benutzt worden. Doch deren Gültigkeit war immer noch geografisch beschränkt.
Damit entstand ca. 200 v.Ch. der Denar, die moderne Währung für Rom und Italien. Er entstand durch mehrere Münzreformen. Die letzte Münzenreform von Augustus Octavianus um 50 v.Ch. war die wichtigste: Die 23v.Ch. von ihm eingeführte augusteische Münzordnung hielt sich in ihrer Grundkonzeption über drei Jahrhunderte. Sie galt nicht nur für Rom und Italien, sondern neu auch in den west- und mitteleuropäischen Provinzen und Kolonien des Römischen Reiches. Neuerdings hatte der Staat (Senat) die Macht über die Münzenprägung. Ab 23 v.Ch. erscheint deshalb auf vielen Münzen (v.a. auf Assen) der Schriftzug „S-C“, was „Senatus Consulto“ („auf Beschluss des Senates“) bedeutet. Im Osten wurden Provinzialmünzen nach eigenen Münzsystemen geprägt. Man erkennt sie an den griechischen Legenden. Nach 50 v.Ch. folgte eine weitere wichtige Neuerung: Caesar produzierte die ersten Goldmünzen, die als „Aureus“ bezeichnet wurden.
Die augustinische Münzordnung
Die Münzgewichte und Realwerte schwankten erheblich und es kamen in der römischen Kaiserzeit noch weitere Werte dazu (siehe nächster Titel), doch das grundsätzliche Raster blieb bis ca. 500 n.Ch. gleich. Das folgende Wertesystem zeigt die augustinische Münzordnung:
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1 Aureus, Au |
25 Denare |
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1 Goldquinar, Au |
12,5 Denare |
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1 Denar, Ar |
1 Denar |
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1 Silberquinar, Ar |
0,5 Denar |
*
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1 Sesterz, Br |
16 Quadrantes |
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1 Dupondius, Br |
8 Quadrantes |
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1 As, Cu |
4 Quadrantes |
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1 Semis, Cu |
2 Quadrantes |
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1 Quadrans, Cu |
1 Quadrans |
*1 Silberquinar
= 2 Sesterzen
Der Aureus entspricht dem Prägebild des Denars. Er war die goldene Einheitsmünze. Der Goldgehalt wurde durch Kupferbeimischungen kontinuierlich heruntergesetzt, dies führte zum Zusammenbruch unter Gallienus (260 n.Ch.). Der Goldquinar war eine kleine Goldmünze („ein halber Aureus“) und wesentlich seltener als der Aureus, er gilt gar als seltenste Einheit unter den Umlaufmünzen. Der Denar ist eine Silbermünze und die Hauptmünze des römischen Reiches. Sein Silbergehalt verkleinerte sich ständig, konnte sich allerdings im Gegensatz zum Denar lange halten. 294 n.Ch. verschwand er im Zuge der Münzreform des Diokletian. Wie der Goldquinar war auch der Silberquinar (kleiner als der Denar) sehr selten. Der Sesterz bestand zuerst aus Messing, mit sinkendem Zinkgehalt aus Kupferbronze. Sein Durchmesser ist relativ gross (ab 24mm), ergehört deswegen zu den Grossbronzen. Ab dem 3. Jahrhundert wurde er nicht mehr geprägt. Der Dupondius (Grossbronze aus Messing) ist dem Sesterz sehr ähnlich und verschwand auch im 3. Jahrhundert. Das As besteht aus Messing und ist neben dem Denar die Grundwährungseinheit. Seine äusseren Merkmale: Blosser oder belorbeerter Kopf auf der Vorderseite, auf der Rückseite „S-C“. Durchmesser: 25-27mm. Semis (18-19mm) und Quadrans (15-18mm) schliesslich sind kleine Kupfermünzen.
Weitere
Münzenarten
Der Antoninian wurde 215 n.Ch. von Kaiser Caracalla eingeführt. Er besteht entweder aus einer Bronze-Silber-Legierung (4%-25% Silber) oder hat eine dünne Silberschicht auf einer Bronzeunterlage (=Silberschicht-Antoninian). Man erkennt den Antoninian an folgenden Merkmalen: Das Haupt des Kaisers ist mit einer Strahlenkrone geschmückt oder bei Kaiserinnen an der Mondsichel als Büstenschmuck. Durchmesser um 24mm. Der Argenteus war nur knapp 30 Jahre im Umlauf, erstmals 294 n.Ch. unter Reformkaiser Diokletian. Der Argenteus löste den Denar (die Silbermünze) ab. Billonmünzen bestehen aus einer Legierung aus Silber (unter 50%) und Kupfer und waren vor allem in Alexandria und Antiochia gebräuchlich. Unter Constantius II (356 n.Ch.) wurden erstmals Centenionalis herausgegeben. Es waren kleine Kupfermünzen mit geringem Silberzusatz. Der Christophor wurde v.a. von frühen Kaisern wie Antonius und Augustus als Wohlfahrtsmünzen herausgegeben. Er war eine grosse Silbermünze (ca. 12g). Der Follis (lateinisch „Beutel“) entstand bei der Münzenreform durch Diokletian im Jahr 293 n.Ch. und wurde alsdann zur wichtigsten Münzeinheit. Die 24mm-27mm grosse Kupfermünze wurde mit einem 2%-4% Silbersud versetzt. Ab 302 n.Ch. wurden 1/8 und unter Constantin ½ Teilungen ausgegeben. Sein Gewicht sank von 10g auf 1,5 g. Leider ist die Silberschicht bei heutigen Funden nur selten komplett erhalten. 346 n.Ch. wurde der Follis durch die Maiorina abgelöst, die erstmals von Constans geprägt wurde. Als die Maiorina immer kleiner wurde, fand ein fliessender Übergang zu dem bereits beschriebenen Centenionalis statt. Die Miliarense gehört zu den seltesten Einheiten des spätrömischen Reiches, sie besteht aus Silber und ist ziemlich schwer (4.5g – 5.5g). Sie wurde erstmals unter Konstantin dem Grossen um 320 n.Ch. herausgegeben. Der 324 n.Ch. von Konstantin dem Grossen eingeführte Solidus ist die goldene Standardmünze des Spätreichs. Gleichzeitig erschienen der Semissis, der einen halben Solidus Wert war und der Tremissis, welcher ein Drittelstück eines Solidus war. Ebenfalls in der Konstantin-Ära kam der Siliqua in den Umlauf, der den Argenteus ablöste.
Falls Sie sich das nicht alles behalten können, sollten Sie sich die verschiedenen Münzarten auf Wildwinds „in Echt“ ansehen.
Besonderheiten
des Denars
Neben
der normalen Währung – dem Denar - gab es einige
Besonderheiten: Erstens wurden Münzen bei Mangel an Kleingeld oft halbiert
(Abbildung 3). Die Hälften hatten dann jeweils den Wert der nächstkleineren
Münzeinheit. Eine zweite Besonderheit: Der Aureus
war die höchste Münze, aber ihr Wert war für viele große Geschäfte dennoch
zu klein. Für wirklich große Summen bediente man sich der griechischen Gewichtseinheit
Talent. Ein Talent ist in
60 Minen zu je 100 Denaren unterteilt. Das Gewicht
des Talents betrug 26,196 kg. Drittens gab es neben der normalen Währung im
Osten viele unbedeutende Regionalwährungen, genannt Provinzialprägungen. Sie besassen lediglich regionale Gültigkeit.
Prägeorte des Denars
Römische Münzen wurden zuerst ausschliesslich in Rom im Tempel der Göttin „Juno Moneta“ (d.h. Juno die Mahnerin) geprägt. Deren Epitheton Moneta wurde schliesslich zur Bezeichnung für die Münze. Noch heute kennen zahlreiche Sprachen für das Wort Münze eine Ableitung von Moneta. Später wurden im römischen Reich mehrere Prägestellen in Betrieb genommen.
Wer war für die Prägung des Denars verantwortlich? Durch die Münzenreform von Augustus Octavianus lag ab 27 v.Ch lag die Verantwortung für die Herausgabe aller Münzsorten offiziell in den Händen des Senats, aber Kaiser, die sich der Staatsgewalt bemächtigten, beanspruchten dieses Recht nicht selten für sich selbst.
Übrigens stehen auf allen Münzen der römischen Kaiserzeit auf der Rückseite ganz unten (im Abschnitt) die Initialen des Prägeortes. Mehr dazu erfahren Sie hier.
Das Münzenbild
Ich
beziehe mich hier nur auf die moderne römische Währung ab der Münzenreform
von Augustus Octavianus, d.h. der augusteischen
Münzordnung.
Seit Pompeius Magnus (um 30 v.Ch.)
war das Münzenbild insofern einheitlich, als auf der Münzvorderseite ein Kaiserbildnis mit einer seine Amts- und Ehrentitel
beinhaltenden Umschrift und auf der Rückseite verschiedene Motive erschienen.
Hier ein Beispiel einer typischen Münzvorderseite an Hand einer Münze von
Kaiser Nero:
Nachfolgend beziehe ich mich nur auf die Rückseiten. Es würde den Zeitumfang sprengen, umfassend auf die komplizierte Entwicklung der Münzenbilder einzugehen. Deshalb an dieser Stelle ein Kurzabriss: Die ersten Münzen zeigen vermehrt Tierabbildungen (meist Vieh, später auch Löwen u.a.). Warum? Weil das Geld ja – wie wir gesehen haben – das Vieh als Zahlungsmittel abgelöst hat. Mit dem zunehmenden militärischen Erfolg Roms kamen historische Abbildungen von Eroberungen dazu. Mit dem Beginn der Bürgerkriege wurde das Münzbild als Transporteur politischer Propaganda benutzt. Häufig wurden auch folgende Abbildungen gezeigt: Götter, Opferbräuche, Bauwerke und Personifikationen kaiserlicher Tugenden.
Münzen für
Propaganda und Nachrichtenverbreitung
Die Münzen hatten die für Kaiser höchst interessante Eigenschaft, dass sie sich rasend schnell bis in die hintersten Ecken des Römischen Reiches verbreiten und einen Grossteil der Bevölkerung erreichen. Dies machte sie zum idealen Medium für die Verbreitung politischer Appelle, politischer Programme und personenbezogener Propaganda. Sie waren die Massenmedien der Römer. Je ein Beispiel: Politischer Appell: Zwei ineinandergreifende Hände mit der Umschrift „Concordia“ (Eintracht). Personenbezogene Propaganda: Caesar (ca. 50 v.Ch.) propagierte die Göttin Venus als Stammmutter seines Clans, die entsprechende Legende auf den Münzen hiess „Gens Julia“ (Familienname von Venus) mit einer Abbildung von Venus und Caesar. Mit zunehmender Bedeutung des Militärs häuften sich Botschaften an ein soldatisches Publikum.
Die Eigenschaften
des Denars
Der Denar war eine aussergewöhnlich stabile Währung und hat den Römern v.a. in der noch jungen Kaiserzeit eine florierende Wirtschaft beschert. Er war der Dollar der Antike, sogar in weit entfernten Ländern wie Südindien war er als Zahlungsmittel sehr gefragt. Im ganzen römischen Kaiserreich war er die Grundwährung und umfasste in der Zeit der grössten Reichsausdehnung eine grössere Fläche als die heutige EU. Historiker meinen sogar, dass der Denar die erfolgreichste Währung der Welt gewesen sei.
Kaufkraft
Interessant ist die Erkenntnis, dass die Lorenzkurve im Römischen Reich deutlich flacher war als heute in der Schweiz oder weltweit. Die Verteilung war also gerechter. Das Durchschnittsjahreseinkommen des Ottonormaleinwohners lag bei schätzungsweise 300 Denaren, Spitzenverdiener bekamen 13000 Denare. Eine einfache Mahlzeit kostete 2 Asse. Einen Sklaven konnte man ab 500 Denaren aufwärts erstehen. Wie jede Wohlstandsgesellschaft beschäftigten auch die Römer importierte Arbeiter, d.h. Sklaven.
Die wirtschaftspolitische Entwicklung des
Kaiserreiches und die Rolle des Denars
Die Blütezeit des
Denars
Die Blütezeit des Denars begann um Christi Geburt unter der Herrschaft von Augustus und endete ca. zweihundert Jahre später. Das Erwerbsleben war in dieser Zeit weitgehend frei von Eingriffen des Staates. Das Friedensimperium war – wie das Wort schon sagt – trotz Eroberungskriegen in Randregionen von innerem Frieden geprägt und wies eine hervorragende Infrastruktur auf. Die bis heute zurückzuverfolgenden Römerstrassen gestatteten beispielsweise die Einfuhr von Zinn aus Britannien und Bernstein von der Ostsee, von Gold aus Sudan und Seide aus China. Vor allem die Metropole Rom mit seinen hunderttausenden von Einwohnern hatte einen riesigen Bedarf an Gütern aller Art. Das Preisniveau und der Denar waren stabil. Die früher durchgeführte Normierung von Produkten, Massen und der Währung trieb den Handel nun weiter an und führte zu Wohlstand. Dieses System hat zweihundert Jahre hervorragend funktioniert.
Das Ende der
Wohlfahrt
Im dritten nachchristlichen Jahrhundert war es dann aber mit der Blüte vorerst vorbei: Eine massive Geldentwertung setzte ein. Vergleichbar mit den grossen Papiergeldinflationen unseres Jahrhunderts wurden für Brot und Fleisch Millionenbeträge verlangt, am Ende gab es wie in den Anfängen der römischen Republik in weiten Bereichen wieder Natural- und Tauschwirtschaft. Es waren jedoch nicht in erster Linie wirtschaftliche Ursachen, die zum Niedergang führten, obwohl viel Geld für Unterstützungszahlungen an arme Bevölkerungsschichten draufging, Unsummen in unproduktive Bereiche wie luxuriöse Grossbauten der Kaiser flossen und die Völker ausserhalb des Reiches, die kein eigenes Geld besassen, römische Münzen horteten. Hauptgründe für die Krise waren vielmehr teure, zermürbende Kriege mit aufbegehrenden Grenzvölkern, explodierende Ausgaben für die Beamtenschaft, die eingeschleppte Pest und eine Reihe verheerender Erdbeben.
Unter Trajans Herrschaft wurde für die Kriege erstmals mehr ausgegeben als eingenommen. Alle reichen Länder im Umkreis waren besiegt und die riesige und teure Armee musste weiterhin bezahlt werden. Weil die meisten Kaiser durch besondere militärische Leistungen ihren Titel erlangten, konnten sie sich unmöglich gegen die Armee stellen bzw. diese dezimieren, was eigentlich sinnvoll gewesen wäre. Wenn sie es doch taten, wurden sie unverzüglich umgebracht. Folglich wurden auch arme Randregionen wie die Britischen Inseln und Mesopotamien erobert, die an Reichtum nichts boten. Trotzdem wuchs die Armee weiter an und wurde zunehmend fast ausschliesslich dazu benötigt, Rebellionen niederzuschlagen.
In Rom bestand eine riesige Nachfrage nach Luxusgütern aus Asien. Weil Rom aber keine hochwertigen Fertigprodukte anbieten konnte, musste es in Gold und Silber bezahlen. Dieser Edelmetallabfluss führte zu geringeren Steuereinnahmen und vergrösserte dadurch das staatliche Ausgabendefizit weiter.
Zur Bekämpfung des Ausgabendefizits versuchten viele Kaiser, die Edelmetalle noch ein bisschen mehr zu strecken, damit mit den vorhandenen Edelmetallen mehr Münzen produziert werden konnten, um die riesige Beamtenschaft und die teuren, aber nicht mehr gewinnbringenden Kriege zu bezahlen. Dies hat aber nichts genützt, der Markt hat ihnen durch Inflation ein Kreuz durch die Rechnung gemacht. Als durch Eroberungen nichts mehr zu holen war, wurde die eigene Bevölkerung geschröpft. Die Steuern stiegen schnell an und zwar so lange, bis beim Volk praktisch nichts mehr zu holen war. Danach wurden sogar die Vermögen reicher Bürger, die man als vermeintliche Landesverräter bezeichnete, konfisziert.
In der Zeit der jeweils nur sehr kurz regierenden Soldatenkaiser rang das Reich ums Überleben.
Reformversuche
Erst dem Reformkaiser Diokletian gelang es um 300 nach Christus, die Inflation künstlich zu bremsen und die Wirtschaft wieder kurzzeitig ins Laufen zu bringen. Um die politische Instabilität zu mildern, gründete er die Tetrarchie, was sich als erfolgreich herausstellte. Ausserdem stabilisierte er den Denar, indem er den Silber- und Goldgehalt erhöhte und weitere Werte wie den Follis in Umlauf brachte. Er versuchte, die Wirtschaft zu regulieren, weil er erkannte, dass sie der eigentliche Motor des Reiches war. Sein Preisedikt schrieb Höchstpreise und Höchstlöhne vor. Dies führte allerdings zu einem deutlichen Produktionsrückgang. Er befahl allen männlichen Bürgern den Beruf ihres Vaters zu übernehmen und verbot den stark belasteten Bauern, ihre Felder zu verkaufen. Dieses System des staatlichen Diktats über die Wirtschaft funktionierte natürlich nicht. Die Märkte verschwanden recht schnell und Diokletian sah sich deswegen gezwungen, auf Zwangsarbeit und rapide wachsende Planwirtschaft zurückzugreifen. Die Planwirtschaft hatte – wie soll es anders sein - eine niedrige Produktivität. Als weiterer Schachzug läutete Diokletian die Christenverfolgung ein, konfiszierte ihr Vermögen und ermordete sie in Scharen in der Arena, um das Volk hinter sich zu haben.
Der letzte wichtige Reformkaiser war Konstantin der Grosse (330 n.Ch.). Er beendete nach einigen Jahren die noch von Diocletian begonnene Christenverfolgung und die Tetrarchie. Um die fehlenden Einnahmen zu decken, plünderte er stattdessen alle heidnischen Tempel des Reiches und prägte Münzen aus den so angeeigneten Edelmetallen. Beatas Tranquilitas – Konstantin hatte eine gewisse Stabilität wieder hergestellt, aber nur für kurze Zeit.
Der Untergang von
Währung und Reich
In den letzten Jahrhunderten des Römischen Reiches gab es keine funktionierende Währung mehr. Rom griff weiterhin auf die Zwangsarbeit und Zwangsaushebung zurück, um seinen Bedarf zu decken. Die letzten Münzen von Theodosius & Co waren mit 1cm Durchmesser nur noch winzig. In den letzten Jahrzehnten gab es weder Märkte noch Geld. Hier ein Beispiel der krassen Münzenverkleinerung. Die erste Münze wurde von Nero (54-68 n.Ch.) herausgegeben, die zweite von Theodosius II (402-450 n.Ch.).
Die Bauern liessen sich im ausgehenden römischen Reich gerne von barbarischen Stämmen unterwerfen, weil diese ihnen bessere Bedingungen und mehr Freiheiten boten als die römischen Kaiser. Sie schlossen sich ihnen an und ermordeten die letzten weströmischen Kaiser.
Als das Westreich unterging, konnte sich das Ostreich noch ein paar wenige Jahrzehnte halten.
Seit den 90er-Jahren werden römische Münzen aus osteuropäischen Staaten und dem Balkan auf manchmal abenteuerlichen Wegen nach Mitteleuropa und in die USA exportiert. Früher waren die Exporte deutlich kleiner. Die entsprechenden Ausfuhrländer verkaufen also ihre eigene Kultur und Vergangenheit an den reichen Westen. Gemäss vertrauenswürdigen Schätzungen wurden in den letzten zehn Jahren über 200 Mio. Münzen in den Westen verfrachtet, die Münzenquellen werden in den nächsten Jahren versiegen.
Doch was ist daran interessant? Zwei Dinge. Erstens stellt sich die Frage, woher denn diese Unmengen von Münzen kommen und warum sie nicht eingeschmolzen wurden. Zweitens lässt sich aus der groben Struktur der Funde die wirtschaftliche, politische und kulturelle Entwicklung des römischen Reiches verfolgen.
Die erste Frage, woher die Münzen kommen, ist Grundlage zur Beantwortung der zweiten. Da es in der Römerzeit weder Banknoten noch Banken gab, war man gezwungen, sein finanzielles Vermögen in Bargeld zu halten (=Münzen). Diese wurden oft im Keller, unter Bäumen, neben Bauwerken wie Aquadukten und Brücken vergraben. Viele dieser Verstecke wurden vergessen, weil die Besitzer der Münzen gestorben sind (z.B. Soldaten im Krieg), umgebracht wurden oder den Ort des Verstecks vergessen haben.
Wenn man grosse Funde von verschiedenen Grabungen nach den darin enthaltenen Kaisern sortiert, fallen verschiedene Dinge auf. Nachfolgend ein paar wichtige:
Erstens stammen ca. 75% der Münzen von den spätrömischen Kaisern. Warum? Weil das spätrömische Reich einerseits von schlimmen Unruhen geprägt war und die Leute wegen den zahlreich werdenden Überfällen ihr Geld präventiv vergruben. Andererseits weil spätrömische Kaiser extrem viele Bronzemünzen prägten, um den Weiterbestand der Währung zu sichern, der durch den Mangel an Edelmetallen (Abfluss nach Arabien) gefährdet war. Vergleichbar mit der Inflation vor dem 2.WK. Der Edelmetallmangel der späten Kaiserzeit wird auch aus den extrem seltenen Gold- und Silbermünzenfunden aus dieser Epoche offensichtlich.
Zweitens sind Münzen aus der Friedensepoche (0-200 n.Ch.) relativ selten (ca. 10-15%). Warum? Weil sich die Menschen wegen den stabilen Verhältnissen nicht um ihr Geld zu fürchten brauchten. Daher vergruben sie es nicht. Ausserdem war die Währung noch wertvoller (Denare waren aus 100% Silber) und es gab keine Inflation.
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