Reinigungsanleitung
für römische Münzen
Bevor
Sie mit der Reinigung der römischen Münzen beginnen, möchte
ich Sie kurz über das Ziel der Reinigung informieren. Römische
Münzen lagen 1500-2000 Jahre im Boden. Während dieser Zeit
hat sich unmittelbar auf der Metalloberfläche eine hauchdünne
(dünner als 0,05mm) Korrosionsschicht gebildet, genannt Patina.
Dabei handelt es sich um eine durch chemische und/oder korrosive Einflüsse
über eine sehr lange Zeit entstandene, einzigartige und attraktive
Oberfläche. Da Edelmetalle (Gold, Silber) sehr reaktionsträge
sind, finden diese Alterungsprozesse bei Gold- und Silbermünzen
nicht statt. Eine Patina findet man also nur bei Münzen unedlen
Metalls, wie Bronze, Kupfer oder Billon. Die Patina kann verschiedene
Farben aufweisen, z.B. dunkelgrün, dunkelbraun, schwarz oder
grünblau. Sie dürfen die sie nicht wegreinigen! Grund:
Unter Sammlern hat eine antike Münze ohne Patina keinen oder
einen reduzierten Wert. Ausserdem wird die Echtheit antiker Münzen,
neben weiteren Kriterien, an Hand der Patina beurteilt. Doch Sie müssen
sich auf der anderen Seite auch bewusst sein, dass es nicht einfach
ist, die Patina überhaupt wegzureinigen, falls jene nicht stabil
ist, was leider ab und an vorkommt. Dazu wären die Anwendung
roher Gewalt oder aggressive Chemikalien notwenig. Sie sollten also
auch nicht zu zimperlich mit den Müzen umgehen. Die Patina verträgt
einiges.


Die linke
Münze (As von Germanicus) hat im Gegensatz zur rechten keine
Patina. Sie wurde mit aggressiven Chemikalien gereinigt und hat einen
Grossteil ihres Sammlerwertes eingebüsst.
Spezialfall
Sandpatina

Antike
Münzen aus südeuropäischen Gebieten mit mediterranem
Klima weisen oft eine sogenannte Sandpatina auf. Bei solchen Münzen
ist ein restriktiver Umgang mit Reinigungstechniken geboten. Auf keinen
Fall sollen sie ins Olivenöl gelegt werden, weil sonst der attraktive
Kontrasteffekt zwischen hellen Grundflächen (eigentiche Sandpatina)
und dunklen, exponierten Stellen, wo sich eine "echte Patina"
zeigt, verloren ginge. Auch chemische und elektrolytische Reinigung
sind keinesfalls geeignet. Am besten sollten lediglich die exponierten
Bereiche der Prägung mit einem flach geführten Skalpell
entfernt werden. Tiefer gelegene Stellen (z.B. zwischen den Falten
der Drapierung, im Auge oder zwischen den Haarsträhnen) sollten
belassen werden, damit der Kontrast zwischen unterschiedlichen Profiltiefen
erhalten bleibt.
Die
nachfolgend beschriebene Reinigungsmethode eignet sich also für
alle antiken Münzen, welche keine Sandpatina aufweisen.
Zuerst
ein paar Worte in eigener Sache. Das Sammeln antiker Münzen ist
ein sehr schönes Hobby. Als größtes Problem, oder
besser, als grösste Herausforderung stellt sich deren Reinigung
in den Weg. Es sind schon viele Anleitungen und Tipps veröffentlicht
worden. Auch ich möchte meine während Jahren gesammelten
Erfahrungen anderen Sammlern oder solchen, die es werden wollen, mitteilen.
Beim Erwerb antiker Münzen gibt es zwei verschiedene Erhaltungsgrade:
Einerseits ungereinigte Münzen mit Erdanhaftungen, andererseits
Münzen, die schon eine Reinigung bzw. eine Erstkonservierung
erfahren haben. Ungereinigte Münzen haben einen Farbton von gelb,
braun und grün, konservierte Münzen sind sehr dunkel bis
schwarz.
Ich möchte zuerst auf die ungereinigten Münzen eingehen.
Eine Fundmünze ist mit verschieden stark anhaftenden Erdresten
bedeckt. Je feuchter ein Boden ist, desto mehr Anhaftungen sind an
der einzelnen Münze. Beispielsweise ist eine aus England stammende
Münze stärker verkrustet als eine aus Tunesien. Bei diesen
verschiedenen Fundzuständen gibt es natürlich auch verschiedene
Reinigungstechniken. Hier nun meine Erfahrungen:
Die Münze, die Sie erstanden haben, ist viele hundert Jahre alt,
dementsprechend aufwändig kann das Entfernen der Schmutzschicht
sein. Sie brauchen eine ruhige Hand und oft eine gute Portion an Geduld
und Ausdauer. Ich selbst habe schon erlebt, dass Münzen ihre
Schönheit erst nach einem halben Jahr zurückerlangt haben.
Es ist faszinierend, Münzen, die vor hunderten von Jahren im
Umlauf waren, ihre Schönheit zurückzugeben.
Es sind schon viele verschiedene Werkzeuge und Techniken mit grösserem
oder minderem Erfolg ausprobiert worden. Die wichtigsten versuche
ich nachfolgend aufzuzählen. Zum Grundwerkzeug gehört eine
Pinzette mit beschichteten Spitzen oder ein Skalpell (gibt es im Fachhandel),
eine starke Lupe (mindestens 8-10 Dioptrin), eine starke Lichtquelle,
Zahnstocher, Baumwolle oder Leinenlappen, verschieden große
Behältnisse aus Plastik und schliesslich eine Flasche Olivenöl.
Die frisch erworbenen Münzen werden als erster Schritt im trockenen
Zustand vorsichtig mit einem Zahnstocher von den gröbsten Verschmutzungen
gereinigt. Die Münze liegt dabei auf einem gefalteten Baumwolllappen.
Der Vorteil liegt darin, dass die Münze nicht wegrutscht, und
gleichzeitig nicht zerkratzt werden kann. Der Staub und die Sandkörner
sind regelmässig zu entfernen. Wenn die Münze keine verkrusteten
oder schwer zu entfernenden Verschmutzungen aufweist, reicht es vollkommen,
sie mechanisch zu reinigen, d.h. ohne Hilfe von Olivenöl. Stossen
Sie dazu das Skalpell schräg und mit kleinem Winkel zur Münze,
wobei die gesamte oder ein Teil der Schneide auf der Münze aufliegt,
über das sog. "Feld", d.h. die flachen Stellen der
Münzenoberfläche (d.h. neben dem Portrait bzw der Legende).
Die Erde wird absplittern. Sobald das Feld von Schmutz befreit ist,
können Sie mit der Schneide, in grossem Winkel zur Münze,
mit sehr wenig Druck zwischen den Buchstaben die Erde entfernen. Hin
und wieder sollten Sie mit einer Messingbürste die soeben gelockerten
Erdanhaftungen entfernen.

Skalpell und Messingbürste
Stellenweise oder flächendeckend stark verkrustete Münzen
müssen nach dieser Erstreinigung in Olivenöl gelegt werden.
Olivenöl hat die Eigenschaft, dass es die Münze von innen
her konserviert und gleichzeitig reinigt, da es schwach säurehaltig
ist. Vorsicht ist geboten bei Münzen mit instabiler Patina, da
diese sich durch Olivenölbäder aufweicht und sich später
bei der kleinsten Berührung splitterartig von der Münze
löst.
Ein Ölbad wirkt der Zersetzung kraftvoll entgegen, indem es eine
Art Schutzschild bildet. Es dringt selbst in die feinsten Poren ein
und entfaltet dort seine Wirkung. Für das Ölbad benutze
ich kleine Kunststoffschalen, wo jeweils etwa 50 Münzen in das
Öl gelegt werden. Innerhalb von 24 Stunden haben sich die Münzen
mit Öl vollgesogen (' es steigen keine kleinen Luftbläschen
mehr auf). Jetzt können Sie die erste Nassreinigung vornehmen.
Mit der Pinzette entnehmen Sie die Münze dem Ölbad, lassen
sie kurz abtropfen und tupfen sie mit einem Lappen ab. (' nicht Reiben!)
Danach kratzen Sie den verbleibenden Schmutz noch einmal vorsichtig
mit einem Zahnstocher oder aber mit Skalpell und Messingbürste
ab.
Nach diesem Reinigungsdurchgang legen Sie die Münze, falls erforderlich,
wieder in das Ölbad. Dort bleibt sie für ca. 2-3 Tage. Danach
wird der oben beschriebene Reinigungsvorgang wiederholt. Der Zahnstocher
sollte regelmässig gewechselt werden, da bei einem stumpfen Ende
die Wirkung nachlässt. Diese Prozedur wiederholt sich sooft,
bis die Münze unseren Vorstellungen entspricht. Dabei verlängert
man den Zeitraum des Ölbades kontinuierlich (bis zu einer Woche).
Wenn das Öl eine grünliche, bläuliche oder türkisfarbene
Färbung erreicht hat, sollte man es ersetzen.
Zum Arbeitsplatz ist noch folgendes zu sagen: Da man zur Reinigung
beide Hände braucht, ist es von grossem Vorteil, eine genug grosse
Lupe zu benutzen, die den notwendigen Platz zum Arbeiten lässt
und am besten eine eigene Lichtquelle besitzt. Der Fachhandel bietet
sehr schöne Artikel von Eschenbach zum Aufstellen sowie Vorrichtungen
mit beweglichem Arm zum Anschrauben an den Tisch. Die Größe
der Lupe sollte mindestens 10cm betragen und mindestens 8-10 Dioptrin
aufweisen. Je größer desto besser, aber leider auch desto
teurer. Eine kleine Einschlaglupe mit 10-20 Dioptrin tut gute Dienste
zur genausten Erkennung von Schmutzresten oder zur Bestimmung der
Münze.
An dieser Stelle komme ich auf die bereits vorgereinigten Münzen
zu sprechen. Grundsätzlich geht das identisch von statten wie
ich oben bereits beschrieben habe. Doch vor der Reinigung muss eine
genaue Prüfung auf Schmutzstellen mittels Lupe geschehen. Diese
sind nicht ohne weiteres auszumachen weil das Öl, mit dem diese
Münzen bereits behandelt worden sind, die Schmutzanhaftungen
UND die Münzen dunkel gefärbt haben.
Nach einer gründlichen Einarbeitung können Sie mit der Zeit
dazu übergehen, unsere Techniken umzustellen und die Reinigung
mit einer Stahlnadel vorzunehmen. Ich habe gute Erfahrung mit ausgedienten
Zahnarztwerkzeugen gemacht (' z.B. kleinste Spachtel und gebogene
Nadelspitzen) Fast jeder Zahnarzt hat ausgediente Werkzeuge (welche
meist für die Dritte Welt gesammelt werden). Fragen Sie ruhig
mal nach. Für feinere Arbeiten nehme ich Nähmaschinennadeln,
diese sind am Ende etwas gestärkt und dicker. Weiterhin sind
sie kürzer als andere Stahlnadeln und lassen sich daher gut handhaben.
Natürlich nutzt sich auch das beste Werkzeug irgendwann mal ab:
Die Spitze wird stumpf und gelangt nicht mehr in die feinen Rillen.
Anstatt das Werkzeug zu ersetzen und damit meinen Geldbeutel unnötig
zu belasten bin ich dazu übergegangen, die Spitzen mittels einer
Handbohrmaschine mit Schleifaufsatz zu schleifen. Gerade wenn Sie
viele Münzen putzen, lohnt es sich auf jeden Fall.
Dremel hat übrigens äusserst zweckmässige Geräte
(die Dremel-Aufsätze Nr. 531 und 535 haben sich bewährt).
Weiterhin können Sie auch Messingbürsten verwenden, denn
Messing zerkratzt die Münzen nicht, weil seine Dichte geringer
ist als die der Münzen. Ich möchte Sie noch einmal darauf
hinweisen, dass die Reinigung mit solchem Werkzeug einer ruhigen Hand,
guten Münzenkenntnissen sowie einem gewissen Mass an Erfahrung
bei der Münzenreinigung bedarf. Denn ein Ausrutscher, ein kleiner
Kratzer kann u.U. die gesamte Arbeit zerstören. Auch die Nadelreinigung
ist nicht einfach.
Um das Risiko zu vermindern, eine Münze zu zerstören, empfiehlt
es sich, sie zwischen ausgedehnten Ölbädern stets nur kurz
und vorsichtig zu putzen. Auf diese Weise benötigt man zwar mehr
Zeit, bis sie vollends gereinigt ist. Trotzdem lohnt es sich v.a.
bei besseren Münzen. Je länger die Münze im Öl
ist, desto besser löst sich die Schmutzschicht.
Die Vorgehensweise: Man muss mit der Nadel ganz vorsichtig einige
Stellen der obersten Schicht ankratzen. Dadurch entstehen winzige
Oberflächenverletzungen, in die das Öl eindringen kann.
Neben diesen Stellen löst sich dann die Dreckschicht. Es versteht
sich von selbst, dass diese Arbeit viele Male wiederholt werden muss,
bis das Ziel erreicht ist. Es gibt ausnahmsweise Münzen, die
ein halbes Jahr in Arbeit sind.
Als abschliessende Behandlung kann die Oberfläche der Münze
mit "Renaissance Wachs" für immer versiegelt werden
und so gegenüber äusseren Einflüssen resistent gemacht
werden. Mehr zu diesem Verfahren im Informationsdokument "Chemische
Reinigung".
Ich möchte abschliessend auf das weitverbreitete Gerücht
eingehen, Ultrschallreiniger seien Reinigungswunder. Den Herstellern
zufolge sollen dabei wahre Wunderlinge rauskommen. Ich habe die Erfahrung
gemacht, dass ein Ultraschallreiniger für die Erstreinigung durchaus
zu gebrauchen ist. Lockere Erdanhaftungen werden tatsächlich
recht gut entfernt. Aber dann ist auch Schluss.
Noch ein Wort zur Patina: Diese primäre Korrosionsschicht stammt
von Bodenmineralien. Je mehr Mineralien im Boden enthalten sind und
je feuchter der Boden ist, umso dicker ist sie. Diese Schicht sollte
nicht weggeputzt werden, weil die Münze dadurch an Sammlerwert
einbüsst!
Irgendwann ist es soweit: einige gereinigte Münze liegen vor
Ihnen. Mit deren Bestimmung schliessen Sie den Vorgang ab. Für
römische Münzen gibt es ein paar sehr gute Bücher (z.B.
"Römische Münzen" von Kampmann, der Roman Imperial
Index, Sear). Über eBay sind ferner Auktionskataloge erhältlich,
darin sind viele verschiedene Münzen abgebildet, beschrieben
und bezeichnet. Diese eignen sich hervorragend für die Bestimmung.
Besonders interessant sind auch umfangreiche Online-Datenbanken (z.B.
Wildwinds, Link siehe unten). Letzter Tipp: Das eBaymitglied "rethorn.privat"
verkauft hin und wieder sehr gute Messingbürsten. Ansonsten sind
sie - und auch der Dremel - im gut sortierten Baumarkt erhältlich.
Diese
Reinigungsanleitung stellt lediglich die "traditionelle"
Vorgehensweise vor. Daneben gibt es weitere Möglichkeiten wie
Reinigung durch Elektrolyse oder mit Chemikalien (siehe die andern
Infodokumente).
Ich wünsche
Ihnen viel Spass und Erfolg bei der Restauration! Weitere interessante
Informationen über die Reinigung antiker Münzen können
Sie der Webseite von Kay Rethorn entnehmen: http://www.kayrethorn.de
Hier noch zwei interessante Links zur Bestimmung römischer Münzen:
http://www.wildwinds.com/coins/ric/
Die grösste Datenbank von römischen Münzen, Top-Link zur Bestimmung.
http://artemis.austincollege.edu/acad/cml/rcape/vcrc/search/
Einzelne Münzen sind mittels Textbruchstücken durch ein Online-Suchsystem
ermittelbar.
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