Behandlung römischer Münzen mit Chemikalien

Chemische Reinigung

Münzen aus edlen Metallen (Gold, Silber) eignen sich etwas besser für eine chemische Reinigung, da unedle Metalle auf Säuren empfindlicher reagieren. Eine Möglichkeit besteht darin, die Münze bis auf die Bronze zu reinigen und neu zu patinieren. Doch die meisten Sammler halten wenig davon. Es gibt allerdings auch eine weitere Möglichkeit, unedle Münzen chemisch zu reinigen. Für Münzen aus Edelmetallen (Silber, Gold) ist die chemische Reinigung einfacher und uneingeschränkt empfehlenswert.

Chemische Reinigung von Bronze- und Messingmünzen

METHODE I: Die folgende Methode wird v.a. in den USA angewendet und wurde auch dort entwickelt. Sie eignet sich für alle ungereinigten antiken Münzen aus unedlen Metallen, und ist v.a. wirkungsvoll gegen stark verkrustete Stücke, die leider immer noch viele Sammler wegschmeissen. Achtung: Diese Methode darf nicht zur Reinigung von Silbermünzen angewendet werden!

Dazu verwendet man eine Mischung von Natriumhydroxid (NaOH, auch Ätznatron genannt) und Wasser (=Natronlauge). Die Mischung löst die festsitzenden Mineralien (Steinchen usw.) auf, lässt jedoch das Metall der Münze völlig intakt. Der englische Name dieses Mittels ist "lye" und da es alte Kupferrohre auch nicht angreift, wird es vor allem als Abfluss- und Rohrreiniger benutzt.

NaOH erhält man in der Schweiz (wohl auch sonstwo) in Apotheken in Form von kleinen Perlen. In Deutschland z.B.: Podukt "LAXYL"; hergestellt von BAUFAN: Bauchemie Leipzig, Ludwig-Hupfeld-Straße 19, D-04178 Leipzig / Tel.0341-446550.

NaOH ist stark ätzend, deshalb sollte man sich beim Umgang mit diesem Stoff folgendermassen schützen:

1. Gummi Handschuhe tragen
2. NIE heisses Wasser verwenden! Wenn es mit kühlem oder kaltem Wasser vermischt wird, wird es sowieso von selbst heiss. Das Mischen mit heissem Wasser verursacht ätzende Gase!
3. Von Kindern fernhalten (am besten in einem alten Behälter mit kindersicherem Verschluss aufbewahren)
4. Behälter deutlich mit Namen "NaOH" versehen.
5. Keinen dünnwändigen Glasbehälter verwenden, da es verspringen kann! Besser ist ein waschmaschinenbeständiges Plastegefäß mit Decken und kleinem Zusatzdeckel (zB. Schüttgefäße für Zucker).

Vorgehen: 1 Teil (oder weniger) NaOH-Perlchen mit 3 Teilen kaltem Wasser mischen. Am besten benutzt man dazu ein kleines Konfitüreglas oder ein Plastegefäss mit Deckel. Münzen in das Glas einlegen, NaOH darüber streuen und das kalte Wasser hinzufügen. Deckel gut schliessen und hin und her schwenken (oder rotieren) bis sich die Perlchen aufgelöst haben (die Münzen helfen, die Perlchen aufzulösen). Deckel entfernen. Nach 1-3 Stunden die Münzen nachprüfen und ggf. mit einer Zahnbürste (in ganz "schlimmen" Fällen mit harter Messingbürste) reinigen. Der Behälter sollte im Freien mit grosser Vorsicht geöffnet werden, die Dämpfe sind sehr unangenehm. Die Münzen können bis zu 5 Tage in der Mischung bleiben.

Nach der Reinigung sollten die Münzen 3 Tage lang in destilliertes Wasser (z.B. aus dem Wäschetröckner oder aus der Drogerie) neutralisiert werden. Wasser täglich wechseln.

METHODE II: Bronzemünzen können auch mit freonhaltigen Lösungsmitteln (trichlorotrifluoroethane) gereinigt werden. Darunter fallen prinzipiell alle Gase, die zur Gruppe der fluorinierten Hydrocarbone (FHC) gehören. Freon (beachte: eingetragener Markenname!) wurde früher als Kühlmittel (z.B. in Kühlschränken) verwendet, ist heute aber verboten, weil es die Ozonschicht zerstört. Daher ist die Beschaffung das grösste Problem. Moralische Bedenken sollte man hingegen nicht haben, da Freon früher tonnenweise zum Einsatz kam, für unsere Zwecke reichen hingegen ein paar Gramm. Veranlassen Sie unbedingt umfangreiche Schutzmassnahmen, das das Gas giftig ist. Ferner ist es enorm flüchtig und löst sich bei Kontakt mit Luft innert Bruchteilen einer Sekunde vollständig auf. Angeblich entfernt Freon nur die Schmutzschicht und nicht die Patina!! Ob das tatsächlich stimmt, weiss ich nicht, da ich bis anhin noch nicht an diesen Stoff herangekommen bin.

METHODE III: Die folgende Methode hat mir Franz-Bernd Karbach freundlicherweise zugesandt. Er habe das bereits mehrmals mit guten Erfolg ausprobiert.- Vielen Dank! -

Für Kupfer- oder Bronzemünzen mit weißlicher oder grünlicher Ausblühung verwende ich folgende "Suppe": Auf 1 Liter Aquadest gebe man 84 g Natriumbicarbonat und 106 g Natriumcarbonat = Natriumsesquicarbonat in 19%iger Lösung. Zum Gebrauch löst man das Konzentrat in Aquadest und stellt eine 1 bis 3 %ige Lösung her. Darin badet man die Münze lange unter häufigem Wechsel des "Badewassers". Zum Schluss wird die Münze in Aquadest gelegt!

Chemische Reinigung von Gold- und Silbermünzen

Selbst die meist aggressiven Säuren im Boden können Goldmünzen kaum etwas anhaben; eine Behandlung mit Wasser und Seife reicht oft völlig aus. Sollte eine Reinigung trotzdem erforderlich sein, sollte man die Münze für kurze Zeit in Zitronensäure legen.

Silbermünzen oxidieren viel schneller. Eine gewisse dunkle, antik anmutende Färbung (Oxidationsschicht) kann sich für Silbermünzen wertsteigernd auswirken. Ist diese aber zu stark oder hat es noch Schmutzrückstände daran, sollte man die Münze in eine Lösung aus destilliertem Wasser und Zitronensäure (Verhältnis 4:1) legen, je nach Verschmutzungsgrad ein paar Stunden bis mehrere Tage. Die Lösung sollte mehrfach gewechselt werden.

Statt Zitronensäure kann auch Ascorbinsäure (= reines Vitamin C, in Apotheke erhältlich) verwendet werden. Etwas Ascorbinsäure (gute Messerspitze z.B.) in ein Schnapsglas geben, mit Wasser auffüllen, Münze hineingeben, nach 5-10 Min. herausnehmen, mit Natron (Kaiser-Natron im SB) bedecken und zwischen Daumen und Zeigefinger reiben, anschl. unter klarem Wasser abspülen. Ggf. Vorgang
wiederholen.Wirkt Wunder! Und: Die Münze läuft nach der Reinigung nicht an, weil Natron als schwache Base die Wirkung der schwachen Ascorbinsäure neutralisiert.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Silberling in eine konzentrierte Sodalösung zu geben. Legen Sie ein Stück Alufolie auf den Boden eines Plastikbehälters und füllen Sie diese mit heissem Wasser, anschliessend ca. 4 Esslöffel Haushaltssoda zugeben. Die Münze muss vollständig vom Wasser bedeckt sein. Unmittelbar nach dem Eintauchen setzt ein Brausen ein. Hört es auf, ist der chemische Prozess beendet. Jetzt muss die Münze nur noch mit Wasser abgespült werden. Wenn man stark reibt, erhält die Münze einen strahlenden Glanz (ist aber für manchen Sammler nicht wünschenswert!)

Chemische Reinigung von Eisengegenständen (z.B. römische Artefakte)

Stark verschmutzte Eisengegenstände (z.B. Artefakte) werden am besten wie oben beschrieben mittels einer Zitronensäurelösung gereinigt (vier Einheiten destilliertes Wasser auf eine Einheit Zitronensäure). Meist ist nach ein paar Tagen nur noch eine braune Brühe vorhanden. Dieser Vorgang wird nun mit einer frischen Lösung wiederholt. Wenn sich die Flüssigkeit kaum noch verfärbt, wird das Objekt mit einem Fön getrocknet. Das Objekt sollte nicht mit nackten Händen angefasst werden, benutzen Sie Handschuhe oder halten Sie es mit einem Tuch. Jetzt wird das Objekt sandgestrahlt und anschliessend mit Klarlack angepinselt. Die Sandstrahlung gelingt z.B. mit einem Sandstrahler der Firma "Böhler-Minitool". Das Gerät ist ziemlich teuer (200 Euro) und kann direkt online bestellt werden (http://www.boehler-minitool.com ). Die Sandstrahlmaschine ist nur für Eisengegenstände geeignet, da sie bei anderen Metallen die Patina zerstören würde (Eisen bildet keine Patina!). Die Sandstrahl-Methode bleibt wohl eher den Profis vorbehalten ;-)

Repatinierung

Es gibt verschiedene Methoden zur Repatinierung von Münzen, wobei Spezialisten jede künstliche Patina von einer echten unterscheiden können. Ich beschränke mich vorerst auf wenige Möglichkeiten. Es bedarf einiger Erfahrung, beginnen Sie am besten mit wertlosen Münzen.

Bei Bronze- und Kupfermünzen erzielt man durch Einsatz von "Schwefelleber" eine braune Patina, Schwefelleber ist in der Apotheke erhältlich. Das sind kristalline, gelbe und nach faulen Eiern riechende kleine Brocken. Einige Gramm reichen. In Wasser auflösen, die Münze hinneingeben und den Patinierungsvorgang beobachten. Je nach Dauer von hell- bis dunkelbraun. Bei Erreichen des entspechenden Patinierungswunsches abbrechen und Münze unter klarem Wasser abspülen.

Um eine türkisfarbene Patina zu erhalten, müssen Sie folgendes tun: Reinigen Sie die Münze bis auf die kupferne Oberfläche (also auch Patina entfernen). Danach wird sie während ungefähr 24 Stunden in eine Lösung von Kupfersulfat und Ammoniumchlorid gelegt. Je länger sie in der Lösung belassen wird, desto dicker wird die Patina. - Um eine schwarze Patina zu erzeugen, können Sie die Münze (wiederum bis auf das Kupfer gereinigt) bei ca. 200 ° Celsius kurz im Ofen backen. Das Metall oxidiert. Weitere Variante: Ein paar Stunden in destilliertem Wasser kochen. Eine dritte Variante: Lassen Sie eine schwache Schwefelsäure für einige Stunden offen stehen. Danach die Münze hineinlegen und solange darin lassen, bis der gewünschte Farbton erreicht ist. Die letzte Variante habe ich noch nicht selber ausprobiert; ich weiss nicht, wie schnell die Reaktion abläuft und wie effektiv die Methode ist.

Weiterhin kann ich Ihnen ein getestetes Präparat zu 7 Euro pro Tüte anbieten, mit welcher man jede Münze problemlos repatinieren kann.Bei Interesse bitte einfach eine eMail schreiben an: mercator-innocens@gmx.ch !

Abschliessende Behandlung

Nach dem Einwirken von Chemikalien auf eine Münze müssen alle chemischen Rückstände vollkommen entfernt werden. Dazu legt man sie in einen mit destilliertem Wasser gefüllten Behälter und belässt sie ein bis zwei Wochen darin. Das destillierte Wasser muss täglich erneuert werden. Kurzfristiges Erwärmen kann den Prozess beschleunigen. Nun muss die Münze gründlich getrocknet werden. Dazu wird sie für einige Tage an einen warmen, trockenen Ort gelegt. Um den Trocknungsprozess zu perfektionieren, kann sie vor dem Trocknen kurz mit Alkohol getränkt werden. Durch eine abschliessende Behandlung mit sog. "Renaissancewachs" wird die Münze angeblich langfristig und effektiv vor äusseren Einflüssen geschützt. Ausprobiert habe ich diese Behandlung leider noch nie. Zu beziehen ist Renaissancewachs unter folgenden zwei Links: http://www.knifeandgun.com/catalog/ und http://www.kremer-pigmente.de/

Einige Sammler verwenden einen speziellen Silikon-Spray (im herkömmlichen Detailhandel erhältlich, z.B. Migros), den sie auf die Münze sprayen, um sie gegen aussen zu versiegeln und von äusseren Einflüssen zu schützen.

Zerfall römischer Münzen

Wird die Münze in einem zu feuchten Raum gelagert, können sich auf der Oberfläche punktuelle Ansammlungen von körnigen, blauen bis grünlichen, weichen, fast pulvrigen Auswüchsen bilden. Diese können die Münze auf längere Frist zerstören, da durch eine chemische Reaktion kleine Mengen an Salzsäure gebildet werden. Auch wenn sich der Belag recht leicht entfernen lässt, wächst er innerhalb von einigen Tagen wieder auf seine ursprüngliche Grösse an. Die Behandlung: Entfernen Sie den Belag zuerst mechanisch soweit wie möglich. Legen Sie die Münze anschliessend in destilliertes Wasser, welches je nach Stärke des Belages während zehn bis dreissig Tagen täglich gewechselt werden muss. Nun kann sie abschliessend für zwei Stunden bei 200° gebacken werden, das ist aber nicht in jedem Fall notwendig (beachten Sie: durch das Backen wird die Münze schwarz!). Der Renaissancewachs (siehe oben) kann ein weiterer Befall durch Versiegelung der Oberfläche verhindern.

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