Qualität, Sammlerwert & Marktpreis

Qualitätsbeurteilung

Bei der Beurteilung der Qualität römischer Münzen müssen Sie unbedingt bedenken, dass sie 1500-2000 Jahre im Boden lagen und jeglichen Umwelteinflüssen einschliesslich solcher menschlichen Ursprungs wie Düngemitteln schutzlos ausgesetzt waren. Es ist doch eigentlich erstaunlich, dass viele Münzen diese Periode unversehrt überstanden haben. In diesem Zusammenhang sollten Sie sich vergegenwärtigen, dass in der Region von Pozarevac in Zentralserbien (früher "Viminacium") sowie in Bulgarien nur geringe Mengen von Düngemitteln eingesetzt wurden und werden, weil die Landwirtschaft lange Zeit rückständig und teilweise nicht vorhanden war bzw. ist. Gegenteilig ist die Situation in Ländern wie Ungarn, Frankreich und Spanien. Römische Münzen können folglich hinsichtlich der Beurteilung ihrer Qualität keineswegs mit neuzeitlichen Münzen verglichen werden.

Römische Münzen sind tendenziell deutlich kleiner sind als neuzeitliche Münzen. Die Begründung für die verhältnismässig geringe durchschnittliche Grösse der römischen Münzen liegt hauptsächlich in der Tatsache, dass der grösste Teil der heute gefundenen Münzen aus der späten Kaiserzeit stammt, weil die Verhältnisse im späten Römischen Reich unsicher waren: Die Römer vergruben ihr Bargeld vermehrt, gleichzeitig kamen viel mehr Menschen (v.a. Soldaten) in Kriegen und Konflikten ums Leben als in der Friedenszeit von 0-250 n.Ch. Ihre im Boden versteckte Barvermögen gerieten in Vergessenheit. Alle sich im Umlauf befindlichen Münzen wurden dagegen regelmässig eingeschmolzen und stehen uns heute nicht mehr zur Verfügung. In der Friedenszeit, als die Münzen noch sehr gross waren (Sesterzen und Asse bis ca. 35mm), wurden sie nur selten vergraben oder durch den Tod des Besitzers vergessen. Es "überlebten" also nur verhältnismässig wenige grosse Münzen. Ein zweiter wichtiger Grund ist die in der ausgehenden bzw. späten römischen Kaiserzeit gipfelnde galoppierende Inflation. Die Münzen wurden immer kleiner (vergleiche: "Das römische Geldwesen"), während deren quantitative Anzahl stetig zunahm.

Die Qualität einer römischen Münze ist massgeblicher Einflussfaktor seines Wertes. Natürlich kann man nicht die Kriterien für neuzeitliche Münzen anwenden, sondern man muss die Skala weiter unten ansetzen. In Sammlerkreisen haben sich folgende Kriterien durchgesetzt, die aber nur für Bronzemünzen (inkl. Billon, Messing, Silbersud) gelten. Die Bewertung von Gold- und Silbermünzen weicht geringfügig von diesem Raster ab.

Stempelfrisch bzw. Prägungsfrisch: Ist extrem selten und kennzeichnet Münzen, die noch besser als „vorzüglich“ erhalten sind.

Vorzüglich: Das Relief ist scharf, die Legende lesbar. Haartracht, Loorbeerkränze oder Falten von Gewändern sind im Detail zu erkennen (z.B. sind einzelne Haarsträhnen deutlich sichtbar). Winzige Risse, das Bild nicht störende Randfehler, geringe Gebrauchs- und Reinigungsspuren bedeuten keine Wertverminderung. Münzen dieser Erhaltung sind unabhängig von der Häufigkeit sehr gefragt und erzielen nach wie vor hohe Marktpreise.

Sehr schön: Dieser Erhaltungsgrad ist im Handel und in Sammlungen am häufigsten anzutreffen. Portrait, Legende und Figuren heben sich noch reliefartig vom Feld ab, die Konturen sind noch deutlich, wenn auch nicht mehr überall scharf. Haartracht und Profile können leicht abgegriffen sein, Details verflacht und verschwommen wirken oder gar ziemlich verwischt sein. Dennoch muss zumindest das Profil als Charakteristikum der Münze deutlich und klar erhalten sein; Auge, Nase und Kinn oder Bart trennen sich eindeutig vom Feld. Die Legenden sind lesbar, doch einzelne oder mehrere Buchstaben dürfen beschädigt sein, z.B. abgeflacht.  

Schön: Das Portrait ist flacher und stärker abgerieben, es hebt sich nur noch geringfügig vom Feld ab. Die Umrisse wirken jedoch noch konturenhaft, gewisse Charakteristiken im Profil müssen noch erkennbar sein. Die Legende muss zu 50% lesbar sein, Vorzug hat der Namen des Kaisers.  

Gering erhalten: Völlig flaches, abgeriebenes Stück ohne identifizierbare Legende.

Bitte beachten Sie, dass für spätrömische Münzen die oben genannten Kriterien leicht abgeschwächt werden müssen, weil deren Ausgabequalität schlechter war als bei den früheren Herrschern. Häufig sind die Vorder- und Rückseite unterschiedlich erhalten. In einem solchen Fall muss bezüglich der Bewertung ein Kompromiss gefunden werden. Oft ist die Münze nicht klar in eine Kategorie zu bringen, fliessende Übergänge sind häufig, deswegen kann man eine Münze beispielsweise auch als „schön bis sehr schön“ bezeichnen.

Neben der Qualität hat auch die Patina einen gewichtigen Einfluss auf den Wert, nachfolgend ein grober Überblick. Die Wertsteigerungen gelten nur für schöne und gleichmässige Patina.

Hellgrüne Patina ist relativ jung und häufig anzutreffen; wenn sie schön und gleichmässig ist, führt sie zu einer Wertsteigerung von 20-30%. Intensivgrüne Patina ist etwas beliebter und ist mit ca. 50% Wertsteigerung zu bewerten, wenn sie gleichmässig und schön ist und insbesondere die Kontur der Münze nicht negativ beeinflusst. Selten ist eine blaugraue Patina (zarter, staubförmiger Belag, der die Konturen leicht schärft), sie ist mit einem Wertaufschlag von bis zu 100% zu bewerten. Die gelbockere Patina geniesst einen Wertsteigerung von 50%, wenn sie nicht körnig, sondern glatt ist. Die mokkabraune Patina ist häufig und bringt das Relief vorteilhaft zur Geltung, wenn sie völlig glatt ist. In diesem Fall: 30% Wertsteigerung. Eine rotbraune Patina bringt nur dann eine Wertsteigerung von 50%, wenn sie flächendeckend ist. Eine schwarze Patina erfährt eine Wertsteigerung von 30%, wenn sie das Münzbild nicht beeinträchtigt (weil sie z.B. zu dick sein könnte).

Sammlerwert & Marktpreis

Die grösste Wertschöpfung erzielen Sie durch die Reinigung der Münze, denn ungereinigte Münzen sind ja günstig erhältlich. Einen Anhaltspunkt bezüglich dem Marktpreis liefert Wildwinds, doch stellt er nur einen Momentausschnitt dar, der von vielen Faktoren beeinflusst werden kann. Kankelfitz schätzt den Marktwert der Münzen in seinem Buch „Römische Münzen“ zu hoch ein und die angegebenen Wertunterschiede zwischen zahlreichen Münzen sind zu klein. Doch auch diese Klassifizierung liefert einen nützlichen Anhaltspunkt.  

   Der Wert einer Münze hängt gemäss Kankelfitz von folgenden Faktoren ab, wobei er auf deren relative Gewichtung nicht eingeht: Qualität, Seltenheit, Patina, historische Bedeutung, individueller Geschmack.

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