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Gefälschte
römische Münzen erkennen
Seit
über 200 Jahre werden römische Münzen gefälscht,
doch in den letzten Jahren verlagerten sich die Faelscherstätten
von Mittel- und Westeuropa in die ärmeren Fundländer im
Balkan und um das Mittelmeer, wo ihre Aktivität heutzutage teilweise
mafiaähnliche Momente aufweist und als Millionengeschäft
vielen Beteiligten den Lebensunterhalt sichert. Obwohl ein Teil der
Fälschungen immer professioneller wird, ist es für Spezialisten
auch heute noch möglich, praktisch alle zweifelsfrei zu entlarven,
ohne den Fundzusammenhang zu kenen. Aber auch Sammler mit weniger
Erfahrung und geringeren Mitteln können Fälschungen grösstenteils
erkennen, wenn sie wissen, worauf zu achten ist. Nachfolgend beschreibe
ich die wichtigsten Aspekte.
Die
Theorie hat nur bei viel Übung einen praktischn Nutzen. Deswegen
empfehle ich Ihnen, Beiträge und Diskussionen über einzelne
Fälschungen in numismatische Online-Foren zu verfolgen. Viele
der dort publizierten Beispiele stammen von eBay, der modernen Spielwiese
für Fälscher und ihre Verkäufer. Erst wenn Sie zahlreiche
Exemplare und deren Einschätzung hinsichtlich Echtheit in Erinnerung
haben, können Sie einen absoluten Massstab zur eigenen Beurteilung
der Authentität bilden, der den relativen Ansatz der folgenden
Zusamenstellung ablösen soll. Um die Logik der Unterscheidung
von Fälschungen und echten Münzen zu verstehen, empfehle
ich Ihnen, neben den folgenden Herstellungsverfahren von Fälschungen
auch das Dokument über die Herstellung römischer
Münzen zu lesen.
Gussverfahren:
Von beiden Seiten einer echten Münze wird je eine Gussform (z.B.
Gusstechniken aus Zahnprothetik) gefertigt. Diese werden mit dem entsprechenden
Metal gefüllt. Um die Bläschenbildung zu minimieren, wird
die gefüllte Gussform zentrifugiert. Merkmale: Naht am Rand,
Bläschen, falsches Gewicht, seifige Kontur.
Prägeverfahren: Die Münze wird wie in der Antike
mit zwei Prägestöcken geschlagen. Die Prägestöcke
sind entweder Abgüsse des Originals oder vom Fälscher selber
graviert (z.B. die bekannten Becker-Fälschungen) Merkmale: Keine
oder gefälschte Patina, falsches Gewicht, falsche Legierung.
Nachfolgend
trage ich die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zusammen und erweitere
die obengenannten Merkmale.
Prägestrahlen
Dabei
handelt es sich um winzige, radiale Rinnen im Feld zwischen Portrait
und Rand, die bei Gold- und Silbermünzen auftreten. Sie können
auch wellenartiger Gestalt sein. Besonders stark erscheinen sie zwischen
Legende und Rand. Diese Prägestrahlen entstanden beim Vorgang
der Schrötlingsprägung. Über Vorhandensein und Ausmass
entschied die Temparatur des Schrötlings. Es gibt zwar echte
Münzen ohne sichtbare Prägestrahlen, aber es sind keine
Fälschungen mit Prägestrahlen bekannt. Die zwei Bilder zeigen
echte Münzen mit verschiedenartig ausgeprägten Strahlen.

Ränder
Gegossene
Fälschungen weisen am Rand eine dünne Naht auf, die weggefeilt
werden muss. Die dabei entstehenden Feilspuren sind praktisch immer
erkennbar. Ab und zu wird die Naht abgebrochen oder abgeschnitten.
Manche Ränder werden leicht eingerissen und nach dem Abkühlen
wird Erde in die entstandenen Einschnitte gepresst, um dem Interessenten
das Gefühl zu vermitteln, dass die Münze direkt aus dem
Boden komme. Bei Gussfälschungen sind die Randpunktlinien oft
zu scharf oder der Randwulst, der beim Prägevorgang entsteht,
fehlt.
Konturen
Weiche,
unscharfe, "seifige" Konturen wie in Bild 1 sind eindeutiger
Hinweis auf eine Fälschung. Fälscher schaffen es praktisch
nie, den von römischen Künstlern erschaffene Prägestempel
mit allen kunstvollen Details nachzuahmen. Bild 2 zeigt ein echtes
Exemplar.
 
Ausserdem wirkt der Materialabrieb an tiefer gelegenen Stellen weniger
stark. Deswegen weisen Hals und Gesicht immer schärfere Konturen
und mehr Details auf als die exponierten Stellen. Sollte diese Regel
bei einer Münze in umgekehrter Form ausgeprägt sein, handelt
es sich um eine Fälschung. Ausserdem sollte der Grad der Abrieb
von Buchstaben und Prägung ähnlichen sein. Bei manchen Fälschungen
sind die Buchstaben ohne jeglichen Abrieb klar und scharf, aber bei
der Kleidung fehlen Falten.
Gewicht
Römische
Münzen aus Edelmetallen hatten im Gegensatz zu manchen Bronzenominalen
ein sich in engen Schranken bewegendes, standardisiertes Gewicht.
Die exakte Grammangabe finden Sie in numismatischen Bestimmungswerken
(RIC, Auktionskataloge, Fachliteratur). Fälscher schaffen es
selten, dass ihre Münzen exakt das gewünschte Gewicht aufweisen.
Beim Gussverfahren beispielsweise kann er das Gewicht nicht anpassen,
weil das Volumen eigentlich fix ist. Selbst wenn er den beachtlichen
Aufwand betreibt und das Volumen sowie die Metalldichte kennt und
ersteres dem Gewicht der Originalmünze anpasst, wird das Gewicht
der Fälschung in der Praxis um einige Prozent von der Vorgabe
abweichen.
Gussbläschen
Beim Gussverfahren
entstehen auf der Oberfläche der Münze kleine Bläschen.
Das Feld von echten Münzen ist, abgesehen von Prägestrahlen
und mechanischen Beschädigungen, immer glatt und eben, wenn keine
Korrosion vorliegt.
Abstände zwischen Fixpunkten
Geprägte
Münzen schrumpfen beim Abkühlen leicht. Das bedeutet, dass
alle neuzeitlichen Prägestöcke geringfügig zu klein
sind. Um Fälschungen an Hand dieser Tatsache zu erkennen, müsste
man mit einer Präzisionslupe die Abstände zwischen einzelnen
Fixpunkten von Original und Fälschung messen und vergleichen.
Diese Methode ist aber fragwürdig, weil für die Herstellung
vieler römischen Münzen die Prägestöcke hin und
wieder durch neue ersetzt wurden, die nicht ganz identisch waren.
Aber wenn genügend Referenzexemplare vorliegen und alle eine
grösseren Abstand zwischen zwei bestimmten Fixpunkten aufweisen,
ist es dennoch ein aussagekraeftiges Indiz.
Stil
Dabei
hjandelt es sich wahrscheinlich um den wichtigsten Aspekt. Es bedingt
allerdings einiger Erfahrung, Fälschungen an Hand von Stilfehlern
zu erkennen. Vergleichen Sie die fragliche Münze mit echten Exemplaren.
Oft stimmt der Gesichtsausdruck, die Falten der Kleidung, die Buchstaben
oder die Stellung der Augen nicht mit dem Original überein. Besonders
schwierig zu fälschen sind Drapierung und Buchstaben:
http://home.t-online.de/home/r_appel/drap.htm
http://home.t-online.de/home/r_appel/letters.htm
Um
sich vor dem Erwerb von Fälschungen zu schützen, sollten
Sie beim Einkauf einige Dinge beachten. Falls es sich um eine Onlineauktion
handelt: Das Angebot sollte ein nicht abgedunkeltes Bild in guter
Auflösung aufweisen, damit Sie die Echtheit an Hand zahlreicher
Merkmale selber beurteilen können. Verdächtig sind insbesondere
Auktionen von wertvollen Münzen, die nur ein bis drei Tage dauern,
von neuen Mitgliedern eingestellt wurden und unzureichende Angaben
über Herkunft und Echtheit haben. Eine vom Verkäufer zugesicherte
Echtheitsgarantie ist jedoch nicht in jedem Fall ein Schutz gegen
den Erwerb von Fälschungen. Anfragen
müssten von jedem seriösen Verkäufer beantwortet werden.
Bei numismatischen Auktionshäusern bezahlt man zwar oft wesentlich
mehr als beim Erwerb über Onlineauktionen, hat aber die fast
absolute Sicherheit, keine Fälschungen zu erwerben.
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